Ein zufriedener Anwalt

Kürzlich verschlug es mich mal wieder zum Amtsgericht Magdeburg, hübsch gelegen gegenüber dem Hundertwasserhaus und nur einen Steinwurf vom Dom entfernt. Meinem Mandanten war in der Anklage eine Tat im Stadion vorgeworfen worden, die man auch außerhalb des weiten Runds besser nicht begehen sollte.

Vielleicht lag es am sommerlichen Saisonbeginn mit reichlich Alkohol schon am Vormittag. Der Mandant jedenfalls, ein Mann in den mittleren Vierzigern, hat sich noch nie etwas zuschulden kommen lassen. Das Bundeszentralregister war leer, Stadionverbot hatte er auch noch nie. Gute Voraussetzungen für den Fananwalt, mit Staatsanwaltschaft und Gericht über eine Einstellung des Verfahrens zu diskutieren.

In den Kopf eines Staatsanwaltes oder Richters kann allerdings auch ich nicht sehen – ich bekam ein klares »Nein« zu hören. Das war für mich zwar nicht verständlich, aber ich merkte schnell, dass es keinen Sinn hatte, weiterzudiskutieren. Um aus der Sache glimpflich herauszukommen, musste daher, nicht zuletzt der bescheidenen Beweislage wegen, die Taktik geändert werden.

Wir hissten die weiße Flagge. Mein Mandant schilderte den Verlauf des Spieltages, die zunehmende Alkoholisierung, den Ärger aufgrund der Niederlage seines Herzensvereins. Keine gute Entschuldigung, klar, aber eine für den Richter nachvollziehbare Erklärung war es schon. Der Richter gab eine schöne Anzahl belehrender Worte von sich, ein Unmensch war er aber nicht. Man war sich schnell darin einig, dass es sich bei meinem Mandanten keinesfalls um einen Fußballkrawallo handelt. Er wurde zu einer überschaubaren Geldstrafe verurteilt, die nicht in einem normalen Führungszeugnis auftaucht.

Selbstverständlich war ich darüber zunächst nicht sehr glücklich. Aber der Mandant war es. Vor dem Gerichtsgebäude fiel er mir um den Hals, bedankte sich herzlich. Seine Zufriedenheit war sozusagen mit Händen zu greifen. Und das ist die Quintessenz des Ganzen: Zwar hatte der Fananwalt ein besseres Ergebnis erreichen wollen, aber nicht immer ist dies der Maßstab. Glücklich ist er, wenn der Mandant es ist.

»Sport frei!« vom Fananwalt.

(Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/420966.beim-fananwalt-ein-zufriedener-anwalt.html)