Eisiger Wind

Es geht ein eisiger Wind durchs Land. Und das liegt nicht nur am Wetter, sondern auch an der sozialen Kälte. Würden sich nicht so viele unbezahlt engagieren, es blieben noch mehr auf der Strecke – im schlimmsten Fall erfroren auf der Straße. Verantwortung wird abgewälzt: Statt Bedingungen zu schaffen, unter denen niemand frieren oder hungern muss, wird der Job auf Ehrenamtliche abgewälzt – die es trotz Flexibilisierung, immer längeren Arbeitszeiten und Lernstress an Schulen und Unis immer noch gibt.

Ehrenamtliches gibt es auch bei Fußballfans, doch die Zuschauer der samstäglichen Sportschau erfahren wenig über die Arbeit organisierter Fans. Fanhilfen sind dabei nur eine Facette. Es gibt unzählige Initiativen, die in ihren Heimatorten auch außerhalb der Fußballblase aktiv sind. So unterstützen Fangruppen Obdachlose, indem sie ihnen warme Getränke oder Essen bringen oder für sie Schlafsäcke sammeln. Andere unterstützen Projekte, die sich um benachteiligte Kinder kümmern oder akquirieren Geld für dringend notwendige Operationen und Medikamente.

Darüber liest man fast nichts bei Springer und Co. Es passt einfach nicht ins Bild von Bild und Konsorten. Reißerisches über Gewalt und Bengalos verkauft sich besser, festgefahrene Feindbilder helfen außerdem dabei, das Schwarzweißdenken vom asozialen Säufer im Stadion aufrechtzuerhalten. Um so wichtiger ist unser Respekt, der Respekt der Fans für die engagierte Arbeit organsierter Fans.

»Sport frei!« vom Fananwalt.

(Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/418497.beim-fananwalt-eisiger-wind.html)