Neue Normalität

Werden Fußballfans ausgeschlossen, ist das kein isoliertes Phänomen: Es ist zu befürchten, dass Geisterspiele in weiten Teilen stillschweigend beibehalten werden

Diese Pandemie bringt für fast jeden von uns Einschränkungen mit sich. Freiheits- und Grundrechte sind dabei mitgemeint, und das geht über einen persönlichen Bereich hinaus, der oft hervorgekehrt wird, wenn Probleme von der gesellschaftlichen auf die individuelle Ebene verlagert werden sollen.

Werden Fußballfans bei Geisterspielen ganz ausgeschlossen, ist das kein isoliertes Phänomen, und an allen anderen Spieltagen ist alles tutti. Jedes Wochenende müssen Zuschauer mit fortwährenden Einschränkungen rechnen, die dazu führen, dass ganze Fanszenen seit fast zwei Jahren den Spielen freiwillig fernbleiben. Von Namenserfassung und personalisierten Tickets über die Abschaffung von Stehplätzen und Begrenzungen der Gästekontingente bis hin zu Vorgaben, wie der Fan sich im Stadion zu bewegen hat, ist alles dabei. Und vieles haben wir schon vor Corona zur Genüge erfahren.

Studien und Umfragen belegen, dass sich die Befragten durch die Coronamaßnahmen zunehmend überwacht fühlen. Kein Wunder. Dass dies viele Fans vom Stadionbesuch abschreckt, ist nur logisch. Vereine und Verbände schweigen sich bisher aus, wie es mit diesen Einschränkungen nach der Pandemie weitergehen soll. Es ist zu befürchten, dass sie in weiten Teilen stillschweigend beibehalten werden.

Der neue Justizminister Marco Buschmann (FDP) äußerte sich bei seinem Amtsantritt dahingehend, dass die Coronapandemie keine dauerhaften Einschränkungen nach sich ziehen dürfe. Zumutungen dürften nicht zur »neuen Normalität« werden, meint der Justizminister. Als Fußballfan hört man da schon mal hin, auch wenn es einen sonst nicht brennend angeht, was von Regierungsseite so alles versprochen wird. Buschmann hat ebenso angekündigt, die rechtswidrige anlasslose Vorratsdatenspeicherung abzuschaffen. Eine »Überwachungsgesamtrechnung« will er auch angehen und die Sicherheitsgesetze überprüfen.

Wir Fußballfans sind gespannt und werden zu gegebener Zeit nicht nur den Justizminister an seine Worte erinnern, sondern auch alles dafür tun, dass sämtliche Einschränkungen nicht zum Dauerzustand werden. Jeder Verein, jeder Verband, sollte nicht nur den Worten des Justizministers lauschen, sondern mit den Fans in Dialog treten und sich darüber im klaren sein, dass wir keine neuen Normalitäten mir nichts, dir nichts hinnehmen werden. Denn Fanrechte sind Bürgerrechte.

»Sport frei!« vom Fananwalt.

(Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/418052.beim-fananwalt-neue-normalit%C3%A4t.html)