Wahnsinn des Weltverbands

Die FIFA ist ein Misthaufen. Etwas obendrauf tun wollte jüngst deren Chef Giovanni Infantino vor dem Europarat in Strasbourg. Dorthin machte er sich auf, um am Mittwoch für seine irrwitzigen Pläne einer Männerfußball-WM alle zwei Jahre zu werben. Auch wenn sich direkt die Frage stellt, was eine Institution wie den Europarat überhaupt dazu antreibt, dem Korruptionsverein FIFA eine Bühne zu bieten, musste man sich die Rede ob ihres ausgestellten Wahnsinns dann doch anhören, statt sie einfach nur zu boykottieren.

Infantino vertritt allen Ernstes die Ansicht, mehr ausgetragene Weltmeisterschaften würden dazu beitragen, dass die Fluchtwelle über das Mittelmeer gestoppt würde, der große Fußball käme dann schließlich regelmäßig gen globalen Süden, nach Afrika. »Chancen und Würde« stünden dann im Armenhaus. Der Fußball bewege sich, so Segenbringer und Gesellschaftsanalyst Infantino, in eine Richtung, »wo wenige alles haben und die Mehrheit nichts«. Die FIFA trägt das ihre dazu bei. Und das ist nicht wenig.

Nicht wenig sind Tausende Tote auf den Stadionbaustellen in Katar. Es seien »nur drei Tote«, sagte Infantino, und die dortigen Arbeitsbedingungen seien schon okay. Dabei werden Arbeiter aus der globalen Peripherie dort wie Sklaven gehalten. »Kein Paradies« sei Katar, gestand Infantino am Rande ein. Für den, der im Oktober seinen Wohnsitz komfortabel dorthin verlagert hat, kommt es ans Paradies schon ziemlich nah ran. Für diejenigen, die dort frei von fundamentalen Arbeitsrechten malochen, um die WM-Spielstätten für die anstehende große Abgreife rechtzeitig fertigzustellen, ist Katar die Hölle. Dieser Wahnsinn gehört boykottiert.

»Sport frei!« vom Fananwalt.

(Quelle:https://www.jungewelt.de/artikel/419496.beim-fananwalt-wahnsinn-des-weltverbands.html)